Geburtstag im Staubsauger

Dies ist die Geschichte von einer lahmen Ente und einem blinden Huhn, die von einem Staubsauger eingesaugt werden. So hat sich das Huhn seinen Geburtstag eigentlich nicht vorgestellt. Immer tiefer dringen die beiden in ein geheimnisvolles Reich vor, aus dem sie niemals wieder – aber man soll ja nicht gleich das Ende verraten.
»Aus dem Nichts heraus habt ihr ein Himmelreich erschaffen. Mit Hüpfen und Singen und Tanzen und Springen. Und wer räumt hinterher auf?«
Interview mit mir selbst zu meinem letzten Kinderbuch.
Ist es wirklich wahr, Herr Hub, dass »Geburtstag im Staubsauger« Ihr siebtes und letztes Kinderbuch ist?
Ganz richtig. Sieben ist doch eine schöne Zahl. Sieben Berge, sieben Zwerge, sieben Schafe.
Verraten Sie mir mal, wie Sie auf diese Idee mit dem Staubsauger gekommen sind?
Finden Sie es nicht traurig, dass es von mir keine weiteren Kinderbücher geben wird?
Mir ist das egal. Ihre Bücher sind genau wie Sie.
Danke. Das nehme ich mal als Kompliment.
Wie man es nimmt. Es gibt nämlich auch Leute, die ihre Bücher genau aus diesem Grund nicht mögen.
Was sind denn das für Leute?
Die sind bestimmt nicht traurig darüber, dass Sie keine weiteren Kinderbücher mehr schreiben.
Mein erstes Kinderbuch handelt von drei gegen Gott, und in meinem letzten besiegen zwei den Tod. Mehr habe ich auch nicht zu sagen.
Seien Sie nicht gleich wieder beleidigt. Wieso reden Sie eigentlich vom Tod? Das Huhn und die Ente landen einfach in einem Staubsauger.
Da zerfällt man zu Staub. Aber die beiden erschaffen aus dem Nichts heraus eine Art Paradies. Wenn man an ein Leben nach dem Tod glaubt, muss man keine Angst mehr vor dem Tod haben.
Aber Sie glauben daran nicht.
Dafür glaube ich an ein Tod nach dem Leben.
Übrigens sieht für mich dieses Paradies eher aus wie eine Art Disco.
Das ist nur Ihre Wahrnehmung, Herr Hub. Außerdem sagt man heutzutage nicht mehr Disco sondern –
Einige Tänzer haben sogar ihr Federkleid ausgezogen!
Da haben Sie aber ganz genau hingeguckt. Finden sie es nicht bemerkenswert, dass es an diesem Ort keine Rolle spielt, ob man Huhn ist oder Ente? Man muss sich noch nicht einmal entscheiden. Aber tanzen miteinander. Sie »hüpfen und singen und tanzen und springen –«
Das ist ein Zitat, das Sie aus einer Volksliedersammlung geklaut haben.
Ehrlich? Irgendwie vergesse ich immer alles ganz schnell, was ich gelesen habe.
Warum lesen Sie dann überhaupt?
Weil ich die Hoffnung habe, dass alles Gelesene in meinem Kopf als Dünger dient. Wie abgestorbenes Blätter.
So liest sich Ihr Buch auch. Das Lied kommt übrigens aus »Des Knaben Wunderhorns« und heißt »Das himmlische Leben«.
Sehen Sie? Himmel! Da haben wir es ja!
Wir drehen uns hier im Kreis.
Umso besser. Tanz. Kreis. Ewige Wiederkehr. Der letzte Satz in meinem Buch ist genauso wie der erste und man kann gleich wieder –
Langsam verzetteln wir uns hier total. Das Interview ist sowieso viel zu lang. Verraten Sie mir lieber, warum die Ente ausgerechnet einen Staubsauger verschenkt hat.
Das würde ich auch gerne wissen.
So was sollten Sie eigentlich als Autor wissen. Schreiben Sie etwas völlig planlos daraufhin. Überlegen Sie mal.
Vielleicht hat das Huhn einfach zu hohe Erwarungen an das Geburtstagsgeschenk und fordert den allergrößten Liebesbeweis. Alle Kinder haben Angst, nicht genügend geliebt zu werden.
Sie auch, lieber Herr Hub.
Selbst wenn Sie den Staubsauger nicht für den Tod halten, was natürlich Ihr gutes Recht ist, müssen Sie doch zugeben, dass die beiden eine superintelligente Maschine besiegen, die alles Lebendige aufsaugen und gleichschalten will –
Wir sprechen aber immer noch von einem Haushaltsgerät, oder?
Ohne die Reise durch dieses Haushaltsgerät hätte die Ente am Ende nicht den allergrößten Liebesbeweis erbringen können. Sie opfert nämlich ihr eigenes –
Keine Spoiler, bitte! Das Opfer der Ente ist sowieso reiner Egoismus. Damit will sie bloß ihrem Leben einen Sinn geben. Aus medizinischer Sicht ist das alles sowieso unmöglich. So was gibt es nur im Märchen.
Die Dinge sind entweder unmöglich oder ganz einfach.
Schon wieder ein Zitat. Diesmal sogar aus Ihrem eigenen Buch.
Huch! Stimmt. Wie peinlich.
Das sagt ja der Staubsauger am Ende.
Wenn ich mich schon selbst zitiere, ist es wirklich besser, dass ich keine weiteren Bücher mehr schreiben.
Genau.
Gutes Schlusswort.
Dieses Interview hat sowieso keiner bis zum Schluss gelesen.